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Personal/Hintergrund
15.11.2017

Rhein-Hunsrücker Tischtennis-Urgestein Egon Schwickert feiert 85. Geburtstag und beendet sportliche Erfolgskarriere

Eine Region gratuliert.......

Lieber Egon,
es ist mir eine außerordentlich große Freude, Dir zu Deinem 85. Wiegenfeste die allerherzlichsten Glückwünsche des gesamten Regionsvorstandes und auch unserer Rhein-Hunsrücker „Tischtennisfamilie“, also der berühmten Basis, übermitteln zu dürfen.

Wenngleich diese Glückwünsche aufgrund Deines in diesen Tagen erklärten definitiven Rückzugs aus dem aktiven Tischtennissport mit einer Menge Wehmut begleitet werden, so dürfte es sicher niemanden geben, der für diese Entscheidung nicht vollstes Verständnis aufbringt. Du teiltest mir mit, dass Dein Körper trotz allzeit gesunder Lebensweise heute einfach nicht mehr den unumgänglichen Anforderungen des Leistungssports gewachsen ist. Wen soll das verwundern, zumal mir aus vielen langjährigen, persönlichen Kontakten wirklich bestens bekannt ist, wie schwer Dir die Entscheidung des berühmten „Schläger an den Nagel-Hängens“ gefallen sein mag. Ganz ehrlich, lieber Egon: Mit 85 ist das o.k.!

Gerne nehme ich aber meine Gratulation zum Anlass, noch einmal kurz rückblickend eine wohl wirklich in Region und Verband einmalige Tischtenniskarriere zu skizzieren. Mit Beginn des Nachkriegsjahres 1947 begann Deine sportliche Laufbahn beim seinerzeit noch jungen SV Kirchberg. Über 70 Jahre hältst Du fortan Deinem Heimatverein, der später als VfL und TuS Kirchberg firmierte, trotz vielfacher lukrativer Wechselangebote die Treue und Deine Person galt schnell als positives Aushängeschild der zwischenzeitlich ältesten Rhein-Hunsrücker Spielgemeinschaft, der Mitte der 1970-er Jahre gegründeten SG Kirchberg-Rhaunen.

Recht zügig war Dein Name in den Siegerlisten des späteren Rhein-Hunsrück-Kreises zu finden und mit dem Gewinn des ersten Einzeltitels, dem Kreismeistertitel der Herren im Sportjahr 1950/51, startete eine beispiellose Erfolgsserie. Insgesamt 86 Meistertitel auf Kreis- bzw. Regionsebene zieren Deine Erfolgssammlung. Hinzu kommen über 30 Titel auf einstiger Bezirksebene und bei den elitären jährlichen TTVR-Seniorenmeisterschaften durftest Du in allen ausgelobten Altersklassen insgesamt 49-mal mit stolzer Siegesbrust als Verbandsmeister die Leistungsvergleiche beenden.

Auch bei den Südwestdeutschen-Einzelmeisterschaften der Senioren, die seit dem Spieljahr 2010/11 als Qualifikationsturnier für die Deutschen Meisterschaften ausgespielt werden, agiertest Du überaus erfolgreich und konntest mit insgesamt neun Titeln die Heimreise in Dein Hunsrücker Heimatdörfchen Dillendorf antreten, welches sicherlich durch Deine Erfolge einen besonderen Bekanntheitsgrad in unserer Heimat erwirkte.

Mit zu Recht ganz besonderem Stolz, so Deine erinnerungsträchtigen Schilderungen – Du siehst, ich bin und war Dir stets ein guter Zuhörer – erfüllte Dich die Finalteilnahme und der hiermit verbundene zweite Platz bei den Deutschen Meisterschaften der Senioren des Jahres 1985 in der Ü 50-Konkurrenz.

Zwei weitere Einzel-Bronzemedaillen erkämpftest Du Dir bei den „Deutschen der Senioren“ der Spielrunden 1986 und 1987. Der weitere 3. Platz im Mixed der Deutschen Seniorenmeisterschaften der Altersklasse Ü40 des Jahres 1983, zusammen mit Spielpartnerin Christel Schönhofen von der SG Speicher-Orenhofen, rundet Deine Erfolgsbilanz ab.

Als „bestes Turnier Deines Sportlebens“ benanntest Du nach kurzem Überlegen die Südwestdeutschen-Seniorenmeisterschaften 2008 im pfälzischen Landau, wobei Du innerhalb dreier anstrengender und schweißtreibender Stunden nacheinander die seinerzeitige Nr. 4, die Nr. 2 und als Abschluss auch noch die Nr. 1 der inoffiziellen deutschen Seniorenrangliste ausschalten und überzeugend den Sieg einfahren konntest. In der inoffiziellen Bundesrangliste der Ü80-Veteranen wurdest Du zeitweise als Nr. 1 geführt!

Aber zurück zum Mannschaftswettbewerb: Seit 1948/49 spieltest Du in einer Herrenmannschaft, die nach wiederholten Meisterschaften und Aufstiegen ab dem Spieljahr 1953/54 für lange Zeit in der Verbandsliga bzw. 1. und 2. Rheinlandliga agierte.

1966/67 gelingt mit dem aufstrebenden Kirchberger Jungtalent Klaus Schmittinger, das ist der spätere Nachwuchs-Bundestrainer, der Aufstieg in die 2. Liga Südwest. Nachdem ein nochmaliger Aufstieg nach zwei Vizemeisterschaften nur knapp scheiterte, verlässt der deutsche Jugendmeister des Jahres 1967 Schmittinger (40-facher Nationalmannschafts-Spieler!) zur Spielrunde 1969 den Verein in Richtung Frankfurter Bundesliga. Unvergessen gelten im Hunsrück noch heute die überlieferten täglichen Trainingseinheiten zwischen Euch beiden, wobei dem Vernehmen nach auch Weihnachten und Ostern keinen Trainingsausfall begründeten! Dein landwirtschaftlicher Traktor stand nach zeitgenössischen Erinnerungen öfters am Trainingssaal, als er auf der „Hunsrücker Flur“ im Einsatz war.

Infolge des Schmittinger-Vereinswechsels zog Dein Team seine Mannschaft in die 1. Rheinlandliga zurück. Hier agiertest Du erneut über viele Jahre als erfolgreicher Spitzenspieler, so dass es nicht verwundert, dass Dein Name in den TTVR-Annalen  der „Bestenlisten“ fest und „auf ewig“ verankert ist. Bis 1992/93 spieltest Du fortan in der 1. Verbandsliga, seit 1975/76 in der Spielgemeinschaft mit dem TuS Rhaunen.

Danach folgten noch viele Jahre in der 2. Verbandsliga. Zum Sportjahr 2008/2009 ist auch dort der Abstieg nicht mehr abzuwenden. Jetzt zeigten sich auch erstmals erhöhte Verletzungsanfälligkeiten, die Dich immer öfter zu Pausen zwangen. Dein Körper zollte Tribut!

In den letzten Jahren warst Du dennoch – wenn es nur irgendwie ging – in der 1. und 2. Bezirksliga aktiv und konntest auch gegen wesentlich jüngere Gegner immer noch überraschende Siege einfahren und so Deine Mannschaft tatkräftig unterstützen.

Natürlich fand Deine wohl einmalige Karriere - zumindest sind mir keine vergleichbar erfolgreichen sportlichen Laufbahnen bekannt -, auch ihre verdiente Würdigungen im Verein, in der Tischtennisregion und im Tischtennisverband. So bist Du u.a. längst Ehrenmitglied im TuS Kirchberg und im Besitze der Sportnadel in Gold als eine der höchsten sportlichen Anerkennungen, die der rheinländische Tischtennisverband zu vergeben hat.

In der Dir eigenen Bescheidenheit führst Du zurückblickend neben dem in die Wiege gelegten sportlichen Talent, einem sog. „Tischtennishändchen“, als Geheimnis Deines Erfolges eine gesunde Lebensweise und Training, Training, Training… an. Dem ist nichts hinzuzufügen!

Lieber Egon,
indem ich Dir für Deine weitere Zukunft im Namen vieler Tischtennisfreunde und auch von mir persönlich einfach nur eine Super-Zeit im Kreise Deiner Lieben bei guter Gesundheit wünsche, verbleibe ich

Dein
Jürgen Johann
Regionsvorsitzender Rhein-Hunsrück


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