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28.08.2018

„Einmal Tischtennis-Weltmeisterschaften spielen“ - JoBa´s Erfahrungsbericht aus Las Vegas

Irgendwie klingt es wie ein Traum aus der Jugend, der Titel dieses Berichts „Einmal Tischtennis Weltmeisterschaften spielen“ – und es war ein traumhaftes Erlebnis! Ein schon lange gehegter Wunsch von mir, bei den Senioren Weltmeisterschaften anzutreten, habe ich mir dieses Jahr erfüllt. Als bekannt gegeben wurde, dass Las Vegas der Austragungsort der WM sein wird, begannen bei mir die Überlegungen für die konkrete Teilnahme. Im Herbst 2017 fiel die Entscheidung – ich bin dabei!

Die Senioren WM ist ein für alle aktiven Tischtennisspieler offenes Turnier, das auf 5000 Teilnehmer limitiert wurde. Man muss sich nur früh genug anmelden. Es wird keine Qualifikation wie z.B. für die Deutschen Meisterschaften der Senioren benötigt. Also auch das kein Problem.

Das Turnier fand vom 18.-24.06.2018 in dem größten Messezentrum der Welt, dem Convention Center in Las Vegas statt. Strategisch gut gelegen war unser Hotel Westgate, Las Vegas, das direkt daneben lag. Trotzdem musste man doch ca. 1,5 km marschieren, um an den Platten zu sein. Entfernungen, an die man sich in Las Vegas zu gewöhnen hatte.

Apropos Platten: 250 Tische in einer Halle wurden vom Veranstalter aufgebaut! Ein Anblick, den man bislang in einer Tischtennishalle noch nicht erleben konnte. Es gab 4 Teilbereiche in der Halle mit je rund 60 Tischen. Man konnte das Ende einer Zeile von Tischen nicht mehr erkennen. Und doch: Beim ersten Training nach der Ankunft waren alle 250 Tische belegt. Man musste also trotzdem anstehen.

Als „persönlichen Coach“ begleitete mich Colin Heow, mit dem ich viele Jahre beim VfR Simmern Regional- und Oberliga gespielt habe. Er ist inzwischen A-Lizenztrainer und stand mir mit sehr guten Tipps zu Seite. Mein langjähriger Weggefährte von den Schülern bis heute, Kai Otterbach vom SF Nistertal, entschloss sich, mit uns auf die Reise zu gehen. Er stellte die Verbindung zum TSV Herrlingen (bei Ulm) her und schon waren wir ein großes Team.

Übrigens war auch der Senioren WM-erfahrene Hunsrücker Wolfgang Müller aus Wiebelsheim wieder dabei, seine inzwischen 6. Senioren-WM.

Insgesamt gab es rund 4500 Meldungen für die WM. Die waren jedoch nicht alle anwesend, da es offensichtlich VISA-Einreiseprobleme aus diversen Ländern gab, so dass das Teilnehmerfeld bei ca. 4000 Tischtennisspielern lag.

Große Namen wie Jörg Roßkopf und Chen Weixing waren auch im Ü45-Starterfeld (Ü45: Über 45 Jahre alte Teilnehmer). Bei den Ü50 war sogar Einzel-Weltmeister von 1991 Jörgen Persson mit seinem Doppelpartner und Mannschaftsweltmeister Erik Lindh mit dabei. Man traf zahlreiche Weltklassespieler vergangener Tage, was die Veranstaltung sehr reizvoll macht.

Ebenfalls reizvoll anzuschauen waren auch die älteren Semester. Was in den Altersklassen von Ü60 bis Ü90 noch für ein tolles Tischtennis gespielt werden kann, ist einfach unglaublich.

Nun zu meiner Altersklasse: Bei den Herren Ü45 waren es 380 Meldungen. Es wurde immer in 4er Gruppen gespielt. In meiner Gruppe waren meine Gegner Remo Altherr aus der Schweiz, Sanjay Dedhia aus Indien und Simon Fenwick aus Neuseeland. Letzterer ist kein unbeschriebenes Blatt in der WM-Szene. Er schaffte es bei der WM 2014 in Auckland unter die besten 32. Dementsprechend war die Spannung schon groß als es losging.

In der Gruppe konnte ich mich bei allen Spielen mit 3:0 durchsetzen. Das Spiel gegen Fenwick war allerdings knapper als das Ergebnis aussieht. Egal, die Qualifikation in die Hauptrunde war geschafft. Dort wurde dann im K.O. System gespielt. Der Gruppensieg bescherte mir ein Freilos im 256er Feld. Unter den besten 128 konnte ich Marek Viskmann aus Estland mit 3:0 besiegen. Und schon stand ich im Feld der besten 64 – sehr gut!

Dort stand ich Xu Jibin gegenüber - ein Chinese, der 2000 nach Canada immigriert ist. Ich hatte einen super Start und ging sogar im ersten Satz mit 9:5 in Führung. Doch dann gab der Chinese richtig Gas, drehte den Satz noch und gewann das ganze Spiel mit 3:0. Er war eine Nummer zu groß, zumal er als Penholder mit Langnoppen sehr variabel und unangenehm war.

Im Doppel ging ich mit Kai Otterbach an den Start. Wir kamen auch hier bis ins Feld der besten 32 und verloren dort gegen ein unorthodox spielendes Team aus Schweden und Finnland mit 1:3. Ein bisschen enttäuschend, denn das Achtelfinale war greifbar nahe.

Insgesamt kann ich aber zufrieden sein. In einem Feld von 380 Teilnehmern unter die besten 64 gekommen zu sein, ist absolut OK. Übrigens, Chen Weixing gewann im Finale gegen Roßkopf mit 3:0 und die beiden wurden auch im Doppel Weltmeister.

Damit war eine Woche Tischtennis WM vorbei. Es war ein wunderbares und unvergessliches Erlebnis, einmal dabei gewesen zu sein. Vielleicht wird es auch nicht das erste und letzte Mal gewesen sein, denn in 2 Jahren ist die WM in Bordeaux…

Joachim Baustert


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